Simone Irmer, die Feldenkrais-Methode für Musiker und Musikerinnen

Die Feldenkrais-Methode für Musikerinnen und Musiker

Die Feldenkrais-Methode ist benannt nach dem Kernphysiker, Ingenieur und Judomeister Dr. Moshe Feldenkrais. Er entwickelte diese Methode in jahrzehntelanger Forschung in den Bereichen Anatomie, Physiologie, Neurologie, Entwicklungspsychologie, Physik und Kybernetik.

Instrument – Körper – Stimme

Musizieren stellt höchste Ansprüche an den Körper, seine Beweglichkeit, sein koordiniertes Zusammenspiel mit dem Instrument und für das Singen und an die millimeter- und millisekundengenaue Steuerung und Differenzierbarkeit von Bewegung. Je ökonomischer die Bewegungsverteilung und je klarer die Richtung, desto besser das musikalische Ergebnis, die Gesundheit des Bewegungsapparates und natürlich das Gesamtbefinden und eigene Sicherheitsgefühl.
Voraussetzung für ein freies, differenziertes, und gleichzeitig freudiges und leichtes Musizieren auf hohem Niveau ist ein waches Körperbewußtsein und der optimale Einsatz des ganzen Körpers in Verbindung zu Instrument und Stimme. Maßgeblich ist dafür das Zusammenspiel von Bewegung und Wahrnehmung. Sehr oft weichen Vorstellung und tatsächliche Handlung beträchtlich voneinander ab. Je genauer wir wissen was und wie wir es tun, um so präziser können wir es auch steuern.

„Wir handeln nicht danach wie unser Körper ist, sondern so wie wir ihn spüren.“ Moshe Feldenkrais

Die Feldenkrais-Methode bietet die Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung und den Einsatz von Bewegung zu präzisieren und zu verbessern. Dabei wird dem feinen Zusammenspiel von Muskulatur, Skelett und Nervensystem nachgegangen und die Aufmerksamkeit für den Körper so gezielt geschult, daß einschränkende Bewegungsmuster und Gewohnheiten erkannt und verändert werden können. Flexibilität, Atmung, Koordination und Bewegungseffizienz lassen sich optimieren und dadurch Überbelastungen begegnen und vorbeugen, das Musizieren verbessern und das Lernen erleichtern.


Die Methode

Die Feldenkrais-Methode setzt an dem einzigen Ort an, an dem Bewegungs- und Haltungsmuster nachhaltig verändert werden können: am motorischen Kortex der Hirnrinde. Von dort gehen die Befehle an die Muskulatur aus. Die Arbeit mit dem Körper, über die Skelettstruktur und über die Muskulatur dient hier als Mittel für die Kommunikation mit dem Zentralnervensystem. Diese Methode kommt daher für wirksame Veränderungen mit kleinen und sanften Bewegungen aus, da sie die Natur unseres Nervensystems und seine Organisation nutzt. Dazu gehört auch die hohe Lernfähigkeit bis ins reife Alter und das Streben nach der bestmöglichen Organisation des Körpers im Bezug zu seiner Umwelt – z.B. zur Schwerkraft.

Neuorganisation von Bewegungsabläufen

Die Bewegungsanleitungen und auch die Art der individuellen Einzelbehandlung sind darauf ausgerichtet, dem Nervensystem wieder möglichst viele, feine und differenzierte Informationen zu geben, daß es sich selbst neu ordnen und justieren kann. Gewohnte Bewegungen werden in neuen, ungewohnten Zusammenhängen ausgeführt und dadurch neu erlebt und bewußt. Es lassen sich dadurch leichter Anspannungen erkennen, die hinderlich sind und statt dessen leichtere Bewegungsvarianten auffinden. Das meint also ein neu Lernen, Umlernen und sich weiter Entwickeln. Plötzlich werden Feinheiten und Variationen in der Bewegung möglich und wahrgenommen, von denen man vorher nicht wußte, daß es eine solche Qualität überhaupt gibt und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen.
Leichte, effiziente und fließende Bewegungen haben etwas mit der Qualität des Kraftaufwandes, also mit der Dosierung und Koordination der Kraftverteilung zu tun und wie direkt die aufgewendete Kraft dorthin gehen kann wo sie hin soll.


Gruppenstunden

In der Gruppenarbeit, die „Bewußtheit durch Bewegung“ genannt wird, führe ich mittels verbaler Anweisungen durch speziell strukturierte ruhige Bewegungsfolgen im Liegen, Sitzen oder Stehen, die sich grundlegenden Themen von Bewegungsorganisation widmen und auch für Musikerinnen und Musiker die besonderen Anforderungen des Instruments oder des Stimmeinsatzes berücksichtigen. Durch die Lenkung der Aufmerksamkeit und das langsame Erkunden der Bewegungszusammenhänge erhöhen und schärfen sich Aufmerksamkeit, Bewußtsein und Verständnis für die eigenen Bewegungsabläufe und -gewohnheiten. Die effiziente Nutzung des Skeletts und der Schwerkraft wird erlebbar, das Erkennen und Lösen von hinderlichen Anspannungen und dadurch das Auffinden leichter und vielfältiger Bewegungs- und Haltungsmöglichkeiten auch mit Instrument und für den Gesang vermittelt.

Das Vermögen, Bewegung einzusetzen und zu steuern läßt sich dadurch erheblich verbessern, führt zu effektiverem, ökonomischerem Bewegen und zu mehr Leichtigkeit und Wohlbefinden. Durch das spielerische Entdecken der eigenen Bewegungsvielfalt wird erlebbar, daß es möglich ist, etwas zu verändern, anstatt unverrückbaren Gegebenheiten ausgeliefert zu sein. Leichtigkeit, Kraft und Wohlbefinden sind die Folge eines Körpereinsatzes, der einem selbst angemessen ist.

Einzelstunden

In der Einzelbehandlung gehe ich gezielt auf Ihr individuelles Anliegen ein. Sie erfahren sich vor allem dadurch, dass Sie von mir bewegt werden. Durch verschiedenste Bewegungen, die unter anderem neurologische und entwicklungsbezogene Funktionen sowie gewohnte und instrumentenspezifische Bewegungs- und Haltungsmuster ansprechen, werden Spannungsmuster bewußt und Alternativen möglich. Das Nervensystem erhält die Gelegenheit, sich neu und angemessener zu organisieren. Auf sanfte und unterstützende Weise werden so weniger bewegliche Bereiche wieder in die Gesamtbewegung integriert. Es lasssen sich damit zum Beispiel auch muskuläre Dysbalancen aufheben, Fehlstellungen der Wirbelsäule und bei den Gelenken ausgleichen, Überlastungssymptome beheben, die immer aus der Gesamtorganisation des Körpers resultieren und das eigene Bewegungspotenzial frei legen. Ergänzend können Sie zu Hause den Prozess mit eigens abgestimmten Übungen selbst fortsetzen.

„Lernen ist gesünder als Patient zu sein oder sogar als geheilt zu werde. Leben ist kein Ding, sondern ein Prozeß.“ (Moshe Feldenkrais)